Rollerunfall auf Koh Tao

Hier sitz ich nun. Auf meiner Fähre zur Insel Koh Samui. Warum? Das erzähle ich jetzt.

Alles hat angefangen mit unserem Plan den Sonnenuntergang auf einem Viewpoint anzusehen. Also fuhren ich und die anderen 2 Dive Master Trainees aus meiner Tauchschule mit unseren Rollern hoch zu dem berühmten Mango Viewpoint. Schon der Weg nach oben war nicht einfach. Die Straßen bestehen nur aus Geröll, Matsch, Löchern und Schluchten. Wir begegneten ein paar anderen, die ebenfalls beschlossen haben es nach dort oben zu wagen und wir haben sogar einem verzweifelten Mann geholfen, der mit seinem Bike im Matsch stecken geblieben war.

Schließlich hatten wir unser Ziel erreicht und es war einfach fantastisch! Man konnte über ganz Koh Tao sehen und der Sonnenuntergang war einer der schönsten die ich je gesehen habe. Wir redeten über Gott und die Welt, warum wir existieren, was wir eigentlich sind und ob wir irgendwas in dieser Welt verbessern könnten. Ich würde sagen dieser Ausblick hat uns irgendwie inspiriert.

Einer der schönsten Viewpoints hier auf Koh Tao

Langsam wurde es immer dunkler und ich sagte zu den Jungs, dass ich gerne losfahren würde bevor es komplett dunkel wird. Wir genossen die letzten paar Minuten und machten uns auf den Heimweg. Ich hatte schon die ganze Zeit Angst vor dem Rückweg, denn nur steil nach unten, mit beiden Bremsen angezogen, Matsch, Steinen und tausenden Löchern, das konnte nicht gut gehen. Wir hatten es fast geschafft, Leo & Locky vor mir, wir rollten nur vor uns hin, denn schneller ging es auf keinen Fall, doch aufeinmal rutschte mein Vorderreifen weg und mein Bike kippte zur Seite. Ich wollte es noch versuchen während dem Fall wieder nach oben zu ziehen, da ich schließlich eigentlich stand mit meinen 2km/h, aber es war zu schwer. Mein Bike fiel mit mir um und mein linker Fuß klemmte sich komplett ein. Ich schrie nur „Ah F***“ und die Jungs hielten sofort an stellten ihren Roller ab und eilten auf mich zu. Ich dachte nur okay passt schon tut grad weh wie Hölle, aber das wird gleich wieder gehen. Klar war jedoch, ich konnte den restlichen Weg nicht selber fahren. Locky der anfangs bei Leo hinten drauf saß und noch nie einen Roller gefahren hatte, musste also nun mit meinem Bike den Berg nach unten. Gott sei Dank hat er es aber perfekt gemeistert und wir waren fast alle heile am Fuß des Berges angekommen.

Mein Fuß fing immer mehr an zu pochen und wir fuhren erstmal zu Leo‘s Apartment um Eis zu holen. Danach ging es dann noch zum Abendessen, da es der letzte Abend von einem anderen Dive master unserer Tauchschule war. Ich war tot müde, fix und fertig mit meinen Nerven und bin fast am Tisch eingeschlafen. Als ich schließlich Zuhause war, versuchte ich noch zu duschen ohne umzufallen. Hat Gott sei dank geklappt. Auf einem Bein hüpfend sprang ich in mein Bett und hoffte einfach nur, dass der Schmerz am nächsten Morgen vorbei wäre.

Tja. Nächster Morgen und natürlich war es kein Stück besser. Ich war nun komplett auf Hilfe angewiesen, ich hatte kein Essen mehr, kein Wasser mehr, keine saubere Wäsche mehr, ich musste zu ner Organisation, um mein Visum verlängern zu lassen und natürlich musste ich zu einem Arzt. Aber wie, wenn man nich selber laufen oder fahren kann? Gott sei Dank bekam ich Hilfe von den Leuten aus meiner Tauchschule.

Der Arzt untersuchte und röntgte mich, aber er schien nicht so, als ob er wirklich Ahnung hätte von dem was er da tut. Wirklich zugehört hat er mir auch nicht. Er meinte mein Fuß wäre nicht gebrochen, aber er sei sich nicht sicher. Aha super Danke. Schmerzmittel, Krücken und ein Verband. Damit wurde ich wieder entlassen.

Ich war mir jedoch nicht wirklich sicher, ob das jetzt so ganz richtig war und fragte deswegen nochmal in Deutschland nach. Mein Freund half mir sehr und wir ließen die Röntgenbilder erneut abchecken und er erklärte für mich genau, wo ich welche Schmerzen habe und was nicht mehr funktioniert an meinem Fuß (wortwörtlich). Die Antwort darauf: Ab zum CT oder Kernspin. Tja das klingt doch schon mal ganz anders. Also ab am nächsten Morgen wieder zu der Klinik und denen klar machen, was ich brauche. Antwort darauf: Auf Koh Tao ist das nicht möglich, Sie müssen nach Koh Samui. Na ganz toll, also muss ich jetzt mit einem funktionierenden Bein mit der Fähre zur Nachbarsinsel und dort ins Krankenhaus. 

Ich wurde nach Hause gefahren, ich packte mein Zeug (ich wusste nicht wie lange ich auf Koh Samui bleiben müsste) und machte mich erneut auf den Weg zurück zur Klinik. Dort wurde ich mit einem Auto abgeholt und zum Hafen gefahren. Gott ich war wirklich schon lange nicht mehr in einem Auto gesessen.

Am Hafen angekommen bekam ich erstmal einen Rollstuhl. Klar war praktischer, aber ich hab mich so unfassbar unwohl gefühlt. Jeder, aber wirklich jeder starrte mich an. Wir fuhren durch die Menschenmassen und ich sah wie alle Augen auf mich gerichtet waren. Irgendwann schaute ich nur noch stur auf den Boden, da ich diese Blicke nicht mehr ertragen konnte. Es war so ein unangenehmes Gefühl, dass ich fast das Weinen angefangen hätte. Umso glücklicher war ich dann, als ich endlich auf der Fähre saß, ohne meinen Rollstuhl. 

Hier sitze ich nun und schaue aus dem Fenster aufs offene Meer hinaus. Die Krankenschwester aus der Klinik neben mir. Von oben tropft das eiskalte Wasser der Klimaanlage auf mich hinunter und eine gemütliche Position kann ich auch nicht finden. Aber das wird schon, wir sind ja Gott sei dank mit der High Speed Ferry unterwegs, also sind wir bestimmt bald da.

Angekommen am Hafen in Koh Samui würde ich direkt mal von 5 Menschen empfangen die mich sofort in einen Rollstuhl setzen und den Pier entlang führen. Ich dachte mir nur so „Oh Gott nicht schonwieder.“ Aber es kam noch viel schlimmer. Denn wie sich rausstellte war es nicht einfach nur ein fahrbarer Stuhl sondern die Liege eines Krankenwagens der direkt am Hafen auf mich wartete. Spätestens jetzt starrte mich also wirklich jeder an, weil ich gerade in einen Krankenwagen befördert wurde. Grandios

Eine halbe Stunde später kam ich dann am Bangkok Hospital Koh Samui an und wurde erstmal in die NOTAUFNAHME gebracht. Nach einigen Untersuchungen und Fragen wurden jede Menge Röntgenaufnahmen gemacht. Es war nichts wirklich schlimm auffälliges zu sehen aber der Doktor entschied sich trotzdem zur Sicherheit noch ein CT zu machen. Ich wurde immer wieder mit meiner Liege durch das ganze Krankenhaus befördert und musste wahnsinnig viele Aufnahmen machen. Dann hieß es erstmal warten. 

Ein lustiger Fakt nebenbei: Als ich mit meinen Krücken zu den Toiletten ging, kam mir ein Angestellter hinterher, um mir die Türen aufzuhalten, wenn nötig. Ich steuerte direkt auf die Damentoiletten zu, stoppte aber, als ich bemerkte, dass der Pfleger an der Tür der behinderten Toiletten klopfte, die Tür öffnete und sie mir offen hielt, damit ich hineingehen konnte. Spätestens da dachte ich mir so: Okay das wird langsam zu viel. Auch wenn es nur lieb gemeint war und ich es sehr zu schätzen weiß: das war ein kleiner Schock. 

Mittlerweile hatte ich auch gesagt bekommen dass es sich noch um ein paar Stunden hinauszögern würde und ich heute nicht mehr nach Koh Tao zurück konnte. Also eine Nacht im Krankenhaus wuhu. Ich machte es mir auf meiner Notaufnahme Liege so gemütlich wie es nur ging und schaute erstmal Netflix. Nach meiner ersten Mahlzeit des Tages um 15.30Uhr kam dann auch der Arzt wieder. Leider mit nicht erfreulichen Nachrichten. 

Fracture of the medial sesamoid bone of the left big toe. Definition: 

Quelle: Wikipedia

An sich noch nicht ganz so schlimm, wenn ich meinen Fuß wenigstens anziehen könnte. Da das aber für mich seit dem Unfall aus irgendeinem Grund nicht mehr möglich ist, brauche ich eine Unterstützung und Stabilität beim Laufen. Also was fällt dem Arzt als erstes ein? Klar: gipsen wir einfach alles ein. In 2 Wochen wieder auf die Insel kommen, wieder röntgen und weiter schauen. Das beste ist: Er ist sich nichtmal sicher ob der Knochen gebrochen ist. Aber ein Gips hilft so oder so hat er gesagt, auch bei den anderen Schmerzen die ich habe. Na da schauen wir mal. 

Ich hoffe, dass der Arzt sich sicher ist bei demwas er tut, denn nun heißt es für mich wochenlangen Gips tragen, Tauchausbildungen für eine bestimmte Zeit an den Nagel hängen (ich muss extra wieder kommen irgendwann um diese fertig zu bringen, da ich ab Februar Thailand erstmal verlassen muss) und das Leben auf einer Insel im Bett verbringen. 

Ich bleibe nun eine Nacht im Krankenhaus und am nächsten Morgen um 11 Uhr geht es für mich zurück nach Koh Tao. Ich bin sehr gespannt wie meine nächsten Wochen nun aussehen werden. 

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