Kamele zähmen leicht gemacht, Toodyay-Australien

Nächste Woche wird die Farm gewechselt. Nur wohin? Ich saß in Perth-Australien und suchte das Internet nach Anzeigen durch. Ich wollte eine Farm, auf der ich nette Leute kennenlernen würde und auf der ich mich sofort, wie zu Hause fühlen kann. Schnell fand ich eine etwas außergewöhnlichere Farm, nämlich eine Kamelfarm. Eine kleine Bewerbung und ein nettes Telefonat später stand es fest. Meine nächsten Wochen werde ich dort verbringen. Ronja, die Frau im Hause sozusagen, holte mich gegen mittags in Perth ab und sofort lernte ich auch deren Kinder Tim und Maya kennen. Beide schliefen auf der Rückbank des Autos, bis Maya, 2 Jahre alt, schließlich aufwachte und etwas verwirrt aussah, denn sie wunderte sich woher das Mädchen auf dem Beifahrersitz auf einmal herkam. Sie hörte gar nicht mehr auf mich anzustarren. Zuckersüß. Tim der paar Monate alte Junge schlief ganz ruhig weiter, bis wir ca. eine Stunde später mitten im Nirgendwo Nähe Toodyay ankamen. Vor dem ersten Tor stand schon das Schild: Achtung Kamele. Okay. Das war für mich wirklich mehr als außergewöhnlich.

Wir fuhren eine ewig lange Einfahrt entlang und kurz vor dem Haus entdeckte ich schon die ersten Kamele. Naja um genau zu sein sind es Dromedare, aber wir haben sie irgendwie immer als Kamele bezeichnet. Egal weiter im Text. Max, der Besitzer des Ganzen und Mann von Ronja versuchte gerade eben mit dem anderen Wwoofer namens Noel die neuen wilden Kamele an ihren Yard anzubinden. Das sah ganz schön heikel aus. Klar, die Tiere sind ja auch wild und lassen sich natürlich überhaupt nichts gefallen. In Ruhe kam ich an, bekam eine kleine Hausführung von Ronja und richtete mich in mein Zimmer ein. Nachdem alle Kamele erfolgreich angebunden waren, lernte ich dann auch Max und Noel kennen. Fix und fertig mit den Nerven und am Ende ihrer Kräfte ließen sie sich am Essenstisch nieder und es gab erstmal etwas Müsli mit Jogurt zur Stärkung.

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Wilde Kamele anbinden
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Noel mit Maya
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Der kleine Tim haha er weiß was er will
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Papa Max mit Sohn Tim aufm Kopf

Was mir erst dann wirklich bewusst wurde, war, dass Max eine Sehbehinderung hat. Der Mann, der gerade dabei ist eine riesiges Unternehmen aufzubauen, der um die 50 Kamele zu Hause hat und immer wieder neue wilde Kamele zähmt, der eine wundervolle Frau und 2 kleine Kinder hat, der einer der ehrgeizigsten Menschen ist, die ich jemals in meinem Leben getroffen habe, der Witze mit uns gerissen hat, bis wir Bauchschmerzen bekamen, der alles auf unvorstellbare Weise meistert und niemals aufgibt, ist so gut wie blind. Aber darauf hänge ich mich überhaupt nicht auf. Ich werde jetzt nicht ewig darüber schreiben, was für einen wahnsinnigen Respekt ich vor ihm und das was er tut habe und wie wahnsinnig stolz er sein kann, sowas auf die Beine zu stellen. Ich denke das und ich will, dass er es weiß oder erfährt, wenn er diesen Beitrag liest, aber ich möchte den Beitrag hier und vor allem ihn nicht auf das beschränken. Egal ob mit voller Sehkraft oder nur ein paar Prozent, er ist und bleibt Max der humorvolle Kamelflüsterer. Egal wie, ich kann wirklich sagen, ich bin stolz. Ja ja Max du wirst mich auslachen haha.

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Der Kamelfüsterer 

Jetzt ging es also los. 6:45 Uhr jeden Morgen fingen wir an mit der Morgenroutine. Traktor holen, ab zu den Kamelen und Füttern. Ein kleines Klickertraining gab es für die Kamele Angie, Else und Bertha auch noch. Wenn all das geschafft war, ging es in die Höhle der Löwen. So haben wir es zumindest genannt. Denn auf dem unendlich großen Grundstück lief noch eine große Herde rum, die natürlich auch gefüttert werden musste. Das war jedoch nicht ganz so einfach wie mit den gezähmten Kamelen, die täglich nahen Menschenkontakt haben. Jeden Morgen wartete die ganze Herde um die selbe Uhrzeit schon vor dem Tor und du musst dich durch sie durchschlängeln und das Futter, das du in deinen Händen trägst, in die Futterschalen umfüllen. Ja dann mach das mal, ohne dass alle Kamele gleichzeitig auf dich ‚losgehen‘ um das Futter zu bekommen. Und ich will es nur nochmal betonen. KAMELE. Mit wirklich langen und starken Beinen und einem riesigen gewaltigen Köper und jede Menge Hunger. Essen, ist das Einzige was diese Tiere in dem Moment denken, egal ob da jetzt ein kleines gebrechliches Menschlein daneben steht. Max ging wie gewohnt ganz entspannt durch die Kamele durch und konnte gekonnt durch ein paar Rufe und Handbewegungen die Kamele von sich fernhalten. Zügig durch, aber nicht rennen war die Regel. Naja, das sagte er so leicht. Ich und Noel waren dabei nicht ganz so entspannt und mussten auch schon dem ein oder anderen Tritt ausweichen und waren jedes Mal froh, wenn wir unverletzt rauskamen. Adrenalin schoss uns durch die Adern und ein bisschen stolz waren wir auch auf uns. Spaß gemacht hat es auf jeden Fall.

 

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Um 6:45 Uhr zur Morgenroutine
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Mein Lieblingskamel Angie
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Angieeeee
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Fütterung & Klickertraining

Danach gab es immer Frühstück. Ca. 1 Stunde dauerte die Morgenroutine und wendern gab es danach schöne Brotzeit oder Müsli. Eigentlich immer abwechselnd, wenn es Müsli zum Frühstück gab, gab es mittags Brotzeit oder andersrum. Und jedes Mal mehr als genug Auswahl. Manchmal wurde das Frühstück auch etwa herausgezögert und es gab Pancakes. Danach ging es weiter an die Arbeit. Pigmelons sammeln, Unkraut rupfen, ja das gab es auch manchmal. Aber die meiste Zeit haben wir uns mit den neuen Kamelen und deren Training beschäftigt. Diese sind natürlich wahnsinnig ängstlich. Also hieß es die ersten Tage erstmal stehen. Ja genau. Einfach zu den Kamelen stellen und ihnen zeigen, dass wir ihnen nichts tun. Dass sie sicher sind. Warten, bis sie sich evtl. trauen dich sogar zu beschnuppern oder anzustupsen, was übrigens ein Wahnsinnsgefühl ist. Ein wildes, scheues Tier traut sich, dich zu berühren. Währenddessen dachten wir uns Namen für die neuen Tiere aus, rausgekommen sind dabei: Schoko-Pop, Zoey, Laura, Kimba, Obelix und Bonnie.

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Stachelbeeren sammeln
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& die giftigen Pigmelons sammeln 
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Kimba mit ihrem kleinen Kalb
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Zoey
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Schoko-Pop
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Der Mann in der Runde Obelix
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Laura
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Bonnie

Circa um 14 Uhr gab es Mittagessen und danach wurde wendern weiter trainiert oder Zäune gebaut, die Halle aufgeräumt oder Ställe ausgemistet. Um 17 Uhr kamen wir schließlich zur Abendroutine. Kamele melken. Wir hatten 3 Kamele, die noch Milch gegeben haben und diese wollte Max auch haben. Denn er produziert Hautpflegeprodukte mit seiner Kamelmilch. Dromedairy Body + Skin . Und ja ich mache gerade Werbung dafür. Shampoo, Duschgel, Conditioner, Cremes und vieles mehr produziert er mit seiner Kamelmilch. Das ist sein großes Projekt und ich wünsche ihm unendlich viel Glück, dass er damit ganz groß rauskommt, denn wenn ich euch eins sagen kann, dann, dass das wirklich harte Arbeit bedeutet. Ich mein ich war tagtäglich mittendrin.

Aber nur mit neben den Kamelen stehen war es nicht getan. Es wurde auch etwas heikler. Der nächste Schritt war nämlich ihnen beizubringen, sich auf Kommando abzulegen. Das Kommando immer wieder wiederholen und mit ein paar sehr langen Röhren in der Leiste rumpieken. Klar die Tiere waren nicht begeistert, aber wir haben ihnen ja nichts getan. Es ist ein professionelles Training und Max hat es lange studiert. Er liebt seine Tiere über alles und tut alles Erdenkliche dafür, dass es ihnen gut geht. Er weiß, was er tut. Die Ergebnisse sieht man ja an all den zahmen, süßen und lieben Kamelen Angie etc. Rumziehen mit Spanngurten, Schwitzen in der Hitze Australiens, lahme Arme kriegen vom unendlichem Hochhalten der Röhren oder Stöcker, so verbrachten wir die meisten Stunden unseres Tages. Auch Bissen und Tritten mussten wir ausweichen, denn die Tiere wollten uns natürlich einfach nur loswerden. Oder, wie Max immer sagte: Ach lasst euch einfach beißen, so schlimm ist das nicht und dann lernen sie, dass es ihnen nichts bringt und hören auf. Naja leichter gesagt als getan, denn wenn so ein großes, wildes und vor allem wütendes Kamel vor dir steht und dich einfach nur aus dem Weg schaffen will, dann bekommt man es schon mit der Angst zu tun. Aber wir hatten alles im Griff haha. Abends wenn die Kinder im Bett waren wurde dann in Ruhe Kekse gegessen und viel Milch getrunken. Ja unser Milchverbrauch in dieser Familie war nicht mehr normal. Ewig lang haben wir geratscht und lustige Geschichten erzählt, bis wir irgendwann tot müde ins Bett fielen.

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Die Neuen haha
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Lassen sich aber doch nicht alles gefallen und nutzen die Chance zur Flucht haha Max versucht mit allen Kräften das Kamel zu halten aber zwecklos
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So sieht Liebe zwischen einem Tier und seinem Halter aus. Na seht ihr so viel Angst kann das Kamel Laura ja gar nicht haben.
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Spanngurt, rumpieksen, ziehen. Alles bringt nichts Obelix bewegt sich keinen Zentimeter
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Deswegen das lange Rohr. Auch mal ein paar Tritten ausweichen.
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Laura hört wohl auf mich 🙂
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Nächster Schritt: Frei herumführen
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Perfektion
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Geschafft
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Happy Camel-Family
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Tada! Nicht immer davon laufen Zoey so ist viel besser 
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Brave Schoko-Pop
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Belohnung für alle

Ich und Noel haben während unseres Aufenthaltes unseren gemeinsamen Roadtrip geplant und nach knapp 4 Wochen auf der Kamelfarm war es so weit, unser Roadtrip ging los. Alle zusammen fuhren uns zum nächsten Bahnhof und wir mussten uns leider verabschieden. Es war wirklich traurig, denn in 4 Wochen wächst man wirklich sehr zusammen und ich habe alle in mein Herz geschlossen. Die kleine Maya hielt meine Hand während der ganzen Fahrt und auch Tim vermisse ich wirklich sehr. Das süßeste kleine Baby, dass ich jemals gesehen habe. Ronja und Max sind außerdem das beste Paar, das ich je gesehen habe. Max mit seinem unfassbaren Ehrgeiz und Ronja mit ihrer unendlichen Liebe, die sie versprüht. Ich bewundere euch beide wirklich sehr und würde euch gerne nochmal wiedersehen. Bleibt so, wie ihr seid, bleibt glücklich und glaubt an den Kameltraum. Alles Liebe.

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Bisschen Sport machen und Tim will auch mit machen
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Malstunden mit Maya
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Bye Bye Maya 😦
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Snapchat findet er super
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Kleiner ❤
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Vermiss euch. Bis irgendwann! 🙂 

 

 

 

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