Australien – Perth, meine erste Wwoofing Erfahrung

Auf dem Flug von Cebu nach Australien: Plötzlich wurden die Lichter im Flugzeug wieder angeschaltet und es kam eine Durchsage mit einem Hinweis darauf, dass alle Passagiere ihre Arrival Card auszufüllen hatten. Es war 5 Uhr morgens, alle waren total verschlafen und versuchten mit halb geöffneten Augen die Fragen auf dem Stück Papier zu beantworten, während die Stewardess weiter irgendwelche Regeln über den Import der verschiedensten Dinge vorlas. Ich kam mir schon vor wie in einem Verhör und das, obwohl ich noch nicht mal gelandet war. Es gibt bestimmte Vorschriften in Australien, man muss z.B. einen Rückflug oder Weiterflug vorweisen können oder aber eine gewisse Geldsumme, damit man garantieren kann, dass man das Land wieder verlässt. Tja Laura ist natürlich so schlau und geht auf Risiko und hat nur einen One Way Ticket gebucht. Ich bereitete mich auf alle möglichen Fragen am Flughafen vor, ging tausend Erklärungen in meinem Kopf durch und hoffte das meine Banking App als offizieller Geldnachweis ausreichen würde. Nach dem kleinen Verhör allein schon auf meiner Arrival Card bereitete ich mich auf alles vor und hoffte einfach nur einreisen zu dürfen.

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Das sah ich als erstes am Flughafen & das war auch mein Grund für meine Australien Reise

Angekommen an der Passkontrolle schaute ich schon, wer von den Arbeitern am freundlichsten aussah und hoffte inständig zu dem netten Herrn ganz links gehen zu dürfen, denn dieser unterhielt sich freundlich mit jedem einzelnen und machte einen wirklich höflichen Eindruck. Aber nein mit meinem Glück kam ich zu der Frau ganz rechts, die nicht wirklich interessiert an den einzelnen Personen zu sein schien, sondern einfach nur Ihren Job machen wollte und wahrscheinlich den Tag so schnell, wie nur möglich hinter sich bringen wollte. Na super, ich kann eigentlich gleich den Flug nach Hause buchen. Zu meiner Überraschung passierte jedoch gar nichts. Das Einzige was sie mich fragte war, ob ich vom Flughafen abgeholt werden würde, ich antworte mit Ja, sie wünschte mir viel Spaß und schickte mich weiter. Wow Laura du machst dir echt IMMER zu viele Sorgen.

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Früh morgens in Perth

Für alle, die nicht wissen was Wwoofing bedeutet: Kurz gesagt, du arbeitest auf einer Farm und bekommst dafür Unterkunft und Verpflegung, aber kein Geld.

Ich wartete also nun auf die Besitzerin der Farm (auf der ich in der nächsten Zeit leben würde) namens Milly und hob in der Zwischenzeit, sehr glücklich darüber, dass meine Kreditkarte funktionierte (siehe letzter Beitrag über Cebu) erst einmal Geld ab und schaute meine Netflix Serie weiter. Irgendwann kam Milly in einem noblen Auto angefahren und ich war wahnsinnig erleichtert, denn nun wusste ich, dass die Farm, auf der ich nun leben würde, nicht die letzte Absteige sein wird.

Ich war angekommen in meinem neuen Zuhause und ich konnte es gar nicht fassen. Es war perfekt. Ich hatte ein großes Bett, es gab ein sauberes Badezimmer, die Küche war ausgestattet mit wahnsinnig viel Essen und die Tiere waren ein Traum. 2 Pferde, 2 Schafe, 3 Hühner, ein Hund und eine Katze. Besser ging es nicht. Ich lebte nun auf einer kleinen niedlichen Farm.

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Mein absolutes Lieblingspferd auf dieser Erde
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Katze Luna. Erinnert mich sehr an meinen eigenen Kater.
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2 Schafe, wie auch immer sie heißen mögen haha
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Die kleine alte Sophie
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Ja, da unten liegt der Hund namens Amali haha

Der erste Tag war Rest day, ich war immer noch total erschöpft von der langen Reise und durfte den ganzen Tag schlafen. Milly kochte für mich und ich konnte mich das erste Mal seit 2 Monaten so richtig an einem Ort einrichten. Die Klamotten raus aus dem Rucksack und in einen Kleiderschrank, für mich total überwältigend nach den vielen Wochen. Ich fühlte mich sofort super wohl und wie Zuhause.

Am nächsten Tag rechnete ich damit, dass ich eine strikte Einweisung bekommen würde darüber, wie viele Stunden ich am Tag, 5 Tage die Woche zu arbeiten habe und welche Aufgaben ich alle zu erledigen hatte. Doch nichts der gleichen geschah. Ich erwischte Milly grad noch so, als sie ihre Schuhe anzog und zur Arbeit fahren wollte. Hä will sie mir keine Aufgaben geben? Ich kann doch nicht den ganzen Tag nur rumsitzen und nichts für sie und die Farm tun? Also fragte ich sie noch schnell, ob sie irgendwelche Aufgaben für mich hätte. Sie schaute mich erst etwas verwirrt an, als hätte sie keine Ahnung wovon ich reden würde, überlegte kurze Zeit und gab mir dann genau 2 Kleinigkeiten zu tun. Des kann doch nicht sein. Das ist vielleicht ne Arbeit von 20 Minuten? Ich verstand gar nichts mehr, sie fuhr zur Arbeit und ich begann die 2 Aufgaben zu erledigen. Als ich damit fertig war, konnte ich aber nicht aufhören, ich bekam ein zu schlechtes Gewissen. Ich lebte dort auf dieser Farm, bekam alles was ich mir nur wünschen würde und das wäre alles was ich für sie tun soll? Nein damit konnte ich mein Gewissen irgendwie nicht vereinbaren. Ich schnappte mir die Gartenhandschuhe und die Schubkarre und begann die Blumenbeete um das Haus herum zu säubern. Ich rupfte Unkraut, sammelte all das Laub und hatte am Ende eine Schubkarre voll. Okay und jetzt?

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Okay, eine halbvolle Schubkarre. Oder 3/4

Ich war mir nicht sicher, ob sie überhaupt einen Unterschied sehen würde und deshalb machte ich mich an die größte Arbeit, die es hier auf der Farm gab. Das Laub. Milly erwähnte einmal, dass sie versucht es unter Kontrolle zu bringen und ich schnappte mir einen Rechen, stellte mich in die Mitte der Farm und fing an. Ein Laubhaufen nach dem anderen bildetet sich, der Cousin und der Bruder schauten mal vorbei und ich sammelte weiter Laub. Stundenlang. Milly war begeistert, als sie nach Hause kam und ich konnte mich endlich nach ca. 8 Stunden Arbeit und 2 schmerzenden Blasen an meinen Händen in mein Bett fallen lassen.

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Laub, Laub und noch mehr Laub

Die nächste Zeit sah auch nicht anders aus. Milly gab mir einfach keine Aufgaben. Sie zeigte mir nicht mal, wie ich die Tiere füttern sollte oder ähnliches. Theoretisch hätte ich also auch mein ganzen Aufenthalt lang einfach nur chillen können. Aber ich wollte wenigstens ein bisschen was für sie tun und deswegen suchte ich mir einfach selber Arbeit. Ich fand eine alte Liste für die Zubereitung des Pferdefutters, wartete aber noch, bis sie nach Hause kam, nicht dass ich etwas falsch mache. Ich rächte immer mal wieder Laub und machte die restlichen Blumenbeete sauber und wenn gar nichts mehr zu tun war, räumte ich die Wohnung auf. Auch wenn es nur simple Aufgaben wie Abspülen oder Staubsaugen war, ich fühlte mich etwas besser. Nur mit der Zeit bekam ich auch kein Danke oder irgendwas derartiges zu hören, ganz im Gegenteil, Milly war nur auf der Arbeit und wenn sie Feierabend hatte, ging sie Erledigungen machen oder sich mit Freunden treffen. Naja ich hatte also das Haus immer für mich, nichts zu tun und das war eigentlich ganz cool. Aber auch wirklich merkwürdig und ich verstand einfach nicht wieso sie mir keine Aufträge gab, selbst wenn ich sie danach fragte, kam nicht sonderlich viel bei raus. Nein, wenn sie von der Arbeit kam, machte sie alles alleine, ohne ein Wort zu sagen oder mir zu zeigen wie es geht, damit ich es für sie erledigen könnte. Naja, wird schon passen. Ich sah ihr immer von Weitem zu, versuchte mir zu merken was sie macht oder sprach sie drauf an, ob sie es mir zeigen möchte. Also verbrachte ich jeden Tag mit Standard Aufgaben wie Ställe ausmisten, Pflanzen gießen, Tiere füttern und evtl Wohnung putzen und ganz selten mal weiter Laub rächen (das ist auch wirklich die größte Drecksarbeit).

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Was darfs heute an der Pferde-Futter-Bar sein?
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Tja. Mit Schafen konnte ich noch nie wirklich viel anfangen.
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Kleines Fotoshooting haha
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Ställe ausmisten war eine der gemütlichsten Arbeiten eigentlich

So und wer glaubt, dass ich wirklich mit offenen Haaren und weißem T-Shirt auf einer Farm arbeite, der kennt mich schlecht haha. Nein natürlich hab ich das nicht gemacht. Nur wenn das weiße T-Shirt eh schon vollkommen verdreckt war. Aber eigentlich sah ich so aus: (So wie man halt auf einer Farm beim Arbeiten auch aussehen sollte) Irgend ein Oberteil, irgend eine Hose, Haare auf jeden Fall zusammengebunden und verschwitzt wie sonst was.

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Der Hund Amali immer und überall dabei. Auch beim Ausmisten.
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Mal eine etwas andere Arbeit: Einen ‚Graben‘ für ein Schlauch der Sprenkelanlage buddeln
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Schick oder? Tja aber das ist die Wahrheit 😀

Mal sehen was die nächste Zeit so bringt.

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