Cebu, mein erster Tiefschlag (Part 2/2)

(Wer Part 1 noch nicht gelesen hat: Cebu, mein erster Tiefschlag Part 1/2)

2 Tage später in Cebu. Es gab einen riesigen Brand in der Stadt und aufgrund dessen fielen Strom und Wasser komplett aus. Ich kuschelte Nachts schon mit meiner Wasserflasche, weil es der einzige Gegenstand war, der mich irgendwie abkühlen konnte.

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Komplett bescheuert? Ja ich weiß.

Um 3 Uhr morgens wartete ich auf mein Taxi. 3.30Uhr: Taxi wurde storniert. Das war ja klar. Okay es wurde automatisch ein neues Taxi gebucht. 15 Minuten Wartezeit hieß es. Da ich aber mittlerweile so einige schlechte Erfahrungen mit den Taxi Apps gemacht habe und es noch dazu mitten in der Nacht war, beschloss ich einfach das nächste Taxi zu nehmen das vorbeikommen würde. Schließlich hatte ich einen Flug zu erwischen. Gott sei Dank erschienen irgendwann Scheinwerfer und es war tatsächlich ein Taxi, das mich zum Flughafen bringen würde. Zwar nicht das, das ich gebucht hatte, aber besser als gar nichts. Und natürlich bekam ich 5 Minuten später eine Nachricht, dass mein zweites Taxi auch storniert wurde. Gott sei Dank hatte ich also das andere genommen.

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Warten um 3.00 Uhr nachts

Angekommen am Flughafen sah ich sofort das große Schild: 750 Peso Terminal Fee in Cash. Na super, also musste ich nun wirklich nur dafür nochmal Geld abheben und weitere Gebühren zahlen. Ich machte mir gar keine Gedanken mehr darüber, ob es funktionieren würde, denn es musste schließlich funktionieren. Ich hatte gar keine andere Möglichkeit. Aber mit meinem Glück: Ich bekam kein Geld. Dieser Vorgang kann nicht bearbeitet werden. 10 Automaten und tausend Abbruchszettel später, fing ich an zu verzweifeln. Ich hatte keinen Cent Geld mehr, eine gesperrte Sim-Karte, keine Chance meine Bank zu kontaktieren, fast kein Akku mehr und keine Möglichkeit in mein Flugzeug  einzusteigen. Ich war am Ende. Über Wlan versuchte ich Freunde und Familie zu erreichen, aber es war nutzlos, denn von Deutschland aus konnte mir niemand helfen. Ich brauchte Bargeld oder Kontakt zu meiner Bank, das war alles. Ich fragte rum, ob ich das Telefon von anderen benutzen dürfte, eine Dame gab mir schließlich ihr Handy, ich musste aber erst 100 Peso für Guthaben bezahlen (diese hatte ich noch in einer Tasche gefunden) und dann konnte ich endlich meine Bank anrufen. Aber mehr als 5 Minuten Warteschleife bekam ich nicht, das Guthaben war leer, meine letzten 100 Peso weg und ich blieb zurück ohne jegliche Hoffnung. Mir liefen nur noch die Tränen runter und ich hätte am liebsten meine Bank in die Hölle geschickt. 2 deutsche Mädchen sprachen mich irgendwann an, als sie merkten, dass ich mich gar nicht mehr beruhigte und sie baten mir ihre Hilfe an. Sie bezahlten mir die 750 Peso für die Flughafengebühr, damit ich wenigstens in das Flugzeug zu meinem Zwischenstopp Kuala Lumpur steigen konnte und ich versprach Ihnen es zurück zu überweisen, sobald es möglich sei.

Für mich ging es also schließlich doch noch nach Australien. Naja zumindest nach Kuala Lumpur. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, was dort noch alles schieflaufen könnte. Mehr als erschöpft und ausgelaugt saß ich auf meinem Sitzplatz und zu meinem Glück hatte ich die ganze Reihe für mich alleine und konnte mich sogar quer über alle Sitze legen. Es hatte keine 3 Minuten gedauert und schon war ich eingeschlafen.

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Zumindest habe ich das Flugzeug schon mal erreicht
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Yeaaahh
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Fix & fertig. Aber wenigstens schon mal das Flugticket in der Hand.

Nun standen mir über 13 Stunden Aufenthalt am Kuala Lumpur Flughafen bevor. Jeder andere würde sich denken: Ach ein bisschen Shopping, dann schön Abendessen gehen, die Zeit wird schon vergehen, man kann hier ja viel machen. (Ok, ok die meisten werden wahrscheinlich den etwas teureren Flug nehmen, damit sie nicht unglaubliche 13 Stunden am Flughafen verbringen müssen) Naja alle anderen vielleicht.  Ich aber nicht, denn ich hatte immer noch keinen einzigen Cent und auch keine Möglichkeit an Geld zu kommen. Ich wollte meine letzten Peso von den Philippinen umtauschen, um mir wenigstens eine Semmel oder Derartiges kaufen zu können, doch der Herr am Schalter meinte nur: Mindestens 500 Peso! Okay na toll. Dann habe ich rausgefunden, man könnte auch mit Euro bezahlen und ich hatte tatsächlich noch ca. 1,50€ in meinen Taschen gefunden. Bezahlen mit Euro ist nur in Scheinen möglich. Okay alles klar. Ich war am Ende. Ich hatte wahnsinnigen Hunger, Durst und ich wollte einfach nur noch aus dieser Höllensituation raus. Ich hatte noch 2 Packungen Instant Nudeln, jedoch weder eine Schüssel und einen Löffel, noch heißes Wasser. Also lief ich zu den Restaurants und bat um einen Pappbecher oder ähnliches und etwas heißes Wasser, doch die erste Frau schüttelte nur mit dem Kopf. Das darf doch nicht wahr sein, nicht mal heißes Wasser krieg ich! Ich lief zum nächsten Fast-Food Laden und fragteerneut, ob ich bitte etwas heißes Wasser und einen Trinkbecher bekommen könnte, nach kurzem Zögern und einem verwirrtem Blick bekam ich es Gott sei Dank auch. Fehlte mir nur noch der Löffel. Tja, den konnte ich vergessen. Ich ging also zu Mc,Donalds klaute mir einen Strohhalm und ja, dieser sollte mir jetzt als Besteck dienen. Warum ich nicht einfach nach einem Eislöffelchen gebeten habe? Keine Ahnung. Ist mir erst gerade beim Schreiben eingefallen. Das wäre zwar immer noch total lächerlich gewesen, aber immerhin besser als Nudeln mit einem Plastik-Strohhalm essen zu wollen. Tiefer konnte ich wirklich nicht mehr sinken.

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TADA. Festessen. (NICHT! Es waren auch noch die schlechtesten Instant Nudeln, die ich je hatte)Die Dame gab mir sogar extra 2 Becher, weil es natürlich unfassbar heiß und unmöglich zu halten war, wegen dem kochenden Wasser. Nur leider hat der 2. Becher da auch nicht gebracht.

Danach lief ich zu der Touristeninformation und fragte, ob es irgendwie möglich sei meine Bank zu kontaktieren. Dieses Telefon ist nur für Inlandstelefonate. Bitte fragen sie im Hotel im 1. Stock nach. Voller Hoffnung eilte ich zu dem Hotel, erklärte dem Mann an der Rezeption meine Situation und bat ihn um ein Telefonat. Er holte eine Preisliste raus. Ich war total entsetzt, sah ihn an und meinte nur: Ich habe kein Geld, ich kann sie nicht bezahlen, wenn ich kein Geld habe. Und ich kriege auch kein Geld, solange ich nicht meine Bank erreicht habe. Ich war am verzweifeln und ich hatte das Gefühl ich sprach chinesisch. (So schlecht ist mein Englisch nun WIRKLICH nicht) Ich erklärte jedem, dass ich keinen Cent mehr übrig hatte und trotzdem wollte jeder Geld von mir! Nunja der Herr ließ mich dann nicht telefonieren und schickte mich wieder zur Touristeninformation. Dort stand ich also wieder, diesmal total verheult, komplett verzweifelt und ich flehte die Dame an mir BITTE eine Möglichkeit zu geben meine Bank zu kontaktieren. Das ich keine andere Möglichkeit mehr habe, mir keine Sim-Karte kaufen kann, mir kein Guthaben kaufen kann oder irgendwen dafür bezahlen kann! Anscheinend hatte ich sie schließlich überzeugt, denn sie drückte mir, wenn auch nicht sehr begeistert, ihr Handy in die Hand und meinte nur: Versuchen sie es damit. Ich konnte also endlich mit meiner Bank telefonieren und es klärte sich alles.

Am Ende stellte sich heraus, es handelte sich nur um ein Missverständnis mit dem Mindestabhebewert an einem Geldautomaten. Jeder wird sich jetzt denken: Gott Laura wie dämlich bist du denn. Ja, das dachte ich mir auch. Ich habe bis zu 45€ versucht abzuheben, was eh schon viel zu viel gewesen wäre schließlich braucht man normalerweise für 2 Tage nichtmal 10€. Und was war der Mindestabhebewert? Na, wollt ihr raten? Natürlich 50€. Ich kam mir noch nie in meinem Leben so verarscht vor. Wer zur Hölle denkt sich so einen Dreck aus und schreibt es dann nicht mal offensichtlich dick und fett in Großbuchstaben auf die Homepage der Bank! Ich meine ich habe alles versucht, mir zig Seiten meiner Bank durchgelesen, mir die Finger für Emails wund gechrieben, nie eine Antwort erhalten und dann habe ich die Dame eine Sekunde am Telefon und sie sagt nur als wäre es vollkommen selbstverständlich: Sie wissen aber schon dass der Mindestabhebewert an ausländischen Automaten 50€ beträgt oder? Ich hätte am liebsten laut losgelacht.Oder angefangen zu weinen. Keine Ahnung. Das waren Nur wegen so einer dämlichen Regelung war ich tagelang durch die Hölle gegangen.

Meine restlichen 12 Stunden Aufenthalt verbrachte ich dann ziemlich erleichtert einfach nur mit Netflix. Ich kaufte mir ein paar Süßigkeiten und aß dick und fett bei McDonalds zu Abend. Ja, nach 2 Tagen hungern habe ich mich für McDonalds entschieden. Wie dumm. Vielleicht nicht das Beste, aber ich brauchte einfach Zucker und ungesundes Essen, um wieder klar zukommen. (Eigentlich hasse ich McDonalds…)

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Ich habe McDonalds Essen noch nie zuvor so sehr vereehrt wie in diesem Moment. Und Wasser auch nicht.

Um 00.05 Uhr konnte ich dann endlich in das Flugzeug einstiegen und es ging für mich mit einer schon die ganze Zeit funktionierenden Kreditkarte ab nach Australien.

(Demnächst weiterlesen Australien)

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